Basler Zeitung

IS und US (Teil 3)

Als ich vor ein paar Wochen an dieser Stelle den Islamischen Staat (IS) mit den United States (US) verglich und dabei nicht wirklich einen Unterschied ausmachen konnte, ausser dass die US ihre gewalttätige Brutalität in noch viel grösserem Stil als der IS auslebt, da setzte es gehörig Schimpfis ab. Beispielsweise rief mich an jenem Freitagabend ziemlich spät ein hiesiger Grossrat an und las mir – wahrscheinlich etwas enthemmt von ein paar feierabendlichen Gläslein Weisswein – empört die Leviten: Wie ich dazu käme, diese Islamisten so zu verherrlichen! Hatte ich das? Und ob ich denn nicht sehe, dass wir es den USA verdanken, dass wir heute hier im Westen so frei seien! Sind wir das? Auf eine Diskussion wollte er sich jedenfalls nicht einlassen – warum wohl nicht? – sondern knallte schnell wieder den Hörer auf. Das war IS-US Teil 1.

Und etwa ähnlich ging es weiter. Zwar nicht mehr mit Anrufen, aber mit Leserbriefen, e-Mails, Facebook-Kommentaren und schliesslich noch mit einer ziemlich langen Schelte seitens eines BAZ-Journalisten. Ganz offensichtlich hatte ich nicht bloss einem gewissen Mainstream widersprochen, sondern geradezu einen Glaubenssatz des westlichen Staatskatechismus verletzt. Nämlich dass es gut sei, den starken Weltpolizisten USA zu haben. Der mag zwar zwischendurch etwas ruppig dreinfahren. Aber letztendlich gehe es ihm doch immer um so gute Dinge wie Menschenrechte. Da musste ich halt doch nochmals kurz mit einer nächsten Kolumne widersprechen – IS-US Teil 2 – womit das Thema dann ad acta war.

Nun steht es aber plötzlich wieder da, im grellen Rampenlicht und schreiender denn je – IS-US Teil 3: Mit dem letzte Woche publik gewordenen Geheimbericht eines Senatsausschusses über die US-Foltercamps, über die noch viel brutaleren und systematischeren Misshandlungen, als man es bis anhin gedacht hatte. Aber auch über die kaltblütige Professionalität, mit der entsprechende Camps in anderen Ländern versteckt wurden. Einzelheiten gefällig? Waterboarding bis zur Bewusstlosigkeit, Einschliessen in einem Sarg während 11 Tagen, Eiswasserbad bei einem Opfer, das sich später als Verwechslung herausstellte, Zerstörung eines Auges, Russisches Roulette, orale und anale Zwangsernährung, Vergewaltigung und Vergewaltigungsdrohungen gegen Kinder der Opfer, Brechen von Knochen, mindestens ein Opfer zu Tode gefoltert, eines erfroren. Offiziell eruiert rund 40 solche Folterfälle, in Tat und Wahrheit natürlich viel mehr. Folterungen auch bei Aussagebereitschaft. Informationsgewinn aus der Folter gleich null. Brutaler Selbstzweck dessen, der die Macht hat.

Nun windet sich zwar ein verlegener Obama ob dieser Brutalitäten, nimmt die CIA aber trotzdem in Schutz, während republikanische Hardliner und CIA-Schergen das alles gar ausdrücklich für gut und richtig erklären. Und dies vor laufender Kamera – ziemlich genau wie der IS, der sich im Internet mit seinen Brutalitäten brüstet.

Und die Empörung hierzulande? Die muss an mir vorbeigegangen sein. Dafür las ich in einer Zeitung, Folter sei „etwas zutiefst Unamerikanisches“. Vielleicht war dies auch bloss sarkastische Ironie. Den Opfern jedenfalls hilft es etwa gleich wenig, wie der auch schon gehörte Ausspruch, Gaskammern seien etwas zutiefst Undeutsches.