Basler Zeitung

Das Konzil zu Davos

Das Konzil zu Davos

Ein Konzil ist jeweils eine ziemlich aufregende Angelegenheit. Da kommen die wirklich ganz hohen Würdenträger der weltumspannenden (auf griechisch: kat-holischen) Gemeinschaft aller Menschen zusammen. Das war schon im Mittelalter so. Basel beispielsweise ist ja stolz, Ort eines solchen Weltereignisses gewesen zu sein, das im 15. Jahrhundert während etwa zwanzig Jahren hier tagte und unsere Stadt ins globale Rampenlicht rückte.

Das feierliche Wort „Konzil“ übrigens bedeutet ziemlich banal nichts anderes als Zusammenkunft, doch tönte das neudeutsche – sprich damals: lateinische – Concilium natürlich eleganter. Zum globalen Touch gehörte auch der eindrückliche Luxus, mit dem all diese Prälaten  aufkreuzten. Achtspännig sollen einzelne vorgefahren und nur in den allergediegensten Herbergen abgestiegen sein. 

Also irgendwie ähnlich wie das in unserer heutigen Zeit veranstaltete Konzil, das sich neudeutsch – sprich heute: englisch – World Economic Forum nennt und soeben wieder ein Jahrestreffen in Davos hinter sich gebracht hat. Auch hier kommen jeweils die wirklich ganz grossen Tiere der weltumspannenden Gemeinschaft aller Menschen zusammen. Da fährt die crème de la crème des globalen Leadership-Adels in Privatjets, Helikoptern und Luxuslimousinen bei den allergediegensten Hotels vor: In feierlichem Purpur die Kardinäle Merkel aus Deutschland, Hollande aus Frankreich, Li Keqiang aus dem geheimnisvoll fernen China oder Abdel Fatah El Sisi aus dem soeben wieder ruhig gestellten Ägypten, um nur einzelne zu nennen. Dann die dezent violetten Erzbischöfe wie Kerry aus den USA, oder etwa auch Alterzbischöfe wie Al Gore. Ferner all die vielen Bischöfe grosser Unternehmen, vor allem solcher, die sich mit den zahlreichen Regulierungen der Kardinäle besonders innig arrangieren, namentlich globaler Banken. Darum herum unzählige emsige, ebenfalls geistliche Adlaten und Mappenträger. Und schliesslich ein interessiertes, wenn auch laienhaftes Publikum, das vor Ort so quasi die ehrfürchtig staunende Weltöffentlichkeit vertritt.

Und was wurde beziehungsweise wird denn eigentlich an einem solchen Konzil besprochen? Das, was die wirklich ganz Grossen dieser Welt schon immer interessierte, nämlich welch fundamentale Verantwortung für das Glück dieser Welt gerade ihnen aufgetragen sei. Wie wichtig es doch sei, dass sie – und nicht etwa andere – für eine weltweit gerechte Verteilung des Wohlstands sorgen. Dass sie – und nur gerade sie – zum rechten sehen hinsichtlich nachhaltigem Umgang mit der Natur. Dass einzig sie allein – wer denn sonst? – für Frieden und Sicherheit auf dieser Welt sorgen, im Kampf gegen die Mächte des Bösen, die ungläubigen Heiden, die Islamisten oder die Steuersünder.

Weshalb gerade die im Konzil Versammelten diesen globalen Beglückungsauftrag haben, wurde und wird in der Regel nicht debattiert, sondern nur geglaubt: Weil der liebe Gott es so will, und weil er genau deshalb mit diesen seinen Kardinälen und Bischöfen eine autorisierte Filiale auf Erden errichtet hat. Oder weil Glück, Gerechtigkeit und Friede nicht den gewöhnlichen Menschen auf Erden überantwortet werden dürfen, sondern von der Politik mit ihren Staatspräsidenten, Bundeskanzlern und Zentralbankgouverneuren besorgt werden müssen.

Man sieht ja auch, wie gut das funktioniert!