Basler Zeitung

Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren

Immer wieder ein beliebter Gegenstand moralischer Empörung: Die Wirtschaft bringe es doch regelmässig zustande, ihre satten Gewinne ungeschmälert einzustreichen, wenn es aber zu Verlusten komme, diese dem Staat und damit der Gemeinschaft anzuhängen. So sei es doch schon damals gewesen, als man die marode UBS retten musste. Oder beim Wechselkurschock zu Beginn dieses Jahres, als der Ruf der Exportwirtschaft nach Unterstützung durch den Bund nicht lange auf sich warten liess. Oder ein drittes Beispiel, das Helmut Hubacher kürzlich in diesen Spalten anprangerte: Die Atomlobby, die während Jahrzehnten schöne Gewinne erzielte und nun daran sei, die Kosten der Stilllegung der Kraftwerke und der Endlagerung des Atommülls dem Staat aufzuhalsen. Milliarden werde dieser dafür noch zahlen müssen, so die Prognose des Doyens der helvetischen Sozialdemokratie, um es dann griffig auf den Punkt zu bringen: „Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert“.

Wahrscheinlich liegt er mit dieser seiner Aussage gar nicht so daneben. Und eigentlich hat er vollkommen recht mit seiner These von den Gewinnen der Privatwirtschaft und den Verlusten der Staatswirtschaft. Bloss in einem hat er nicht recht – dass man dies ändern sollte.

Man kann es nämlich gar nicht ändern. Denn das, was hier Herr Hubacher und mit ihm noch viele andere Staatsgläubige anprangern, ist ein unausweichliches Naturgesetz. Dagegen kämpfen selbst Götter vergeblich: Gewinne gehören zur Privatwirtschaft, Verluste zum Staat, wie das Fleisch zum Knochen. Man muss nicht einmal darüber rechten, ob dies nun gut oder schlecht sei. Es ist einfach so.

Nehmen wir die Privatwirtschaft: Bei ihr gerät alles früher oder später in die Gewinnzone, das heisst zu mehr Ertrag als Aufwand und damit zur Mehrung des Wohlstands. Hier werden selbst marode Unternehmen profitabel. Der Wettbewerb lässt ihnen keine andere Wahl. Und wenn sie es nicht schaffen, so werden sie von andern übernommen, die es besser können. Als Schnäppchen an der Börse oder im Konkurs, sei es en bloc, sei es zerlegt und wieder neu zusammengesetzt. Natürlich gibt dies was zu tun, ein Ruhekissen ist sie nicht, diese Privatwirtschaft. Doch das, wozu sie ihre Teilnehmer unerbittlich führt, ist deren eigener Gewinn. Da gibt es Schlimmeres. Welch schlechten Dienst erweist man maroden Unternehmen, schwächelnden Branchen oder ungelösten Wirtschaftsproblemen, wenn man ihnen diese Thearpie entzieht und sie stattdessen der staatlichen Gemeinwirtschaft überantwortet.

Denn bei dieser gerät alles früher oder später in die Verlustzone, das heisst zu mehr Aufwand als Ertrag und damit zu Vernichtung von Wohlstand. Hier werden selbst gesunde Wirtschaftszweige krank. Und noch viel kränker solche, die man zwecks angeblicher Rettung unter die Obhut der Gemeinwirtschaft verbringt. Bei dieser gibt es keine Konkurrenten, die einen motivieren könnten, es ihnen gleich oder besser zu tun. Auch keine Gefahr, im Konkurs oder an der Börse einem tüchtigeren Eigentümer Platz machen zu müssen. Ein angenehmes Ruhekissen zwar, doch das, wozu es seine Teilnehmer unausweichlich führt, ist deren eigener Verlust. Da gibt es Besseres.

Oder wieder mit Helmut Hubacher, sprachlich zwar etwas präzisiert: „Wer privatisiert, gewinnt. Wer sozialisiert, verliert“.