Basler Zeitung

Gekaufte Richter im Fall Hoeness!

Wussten Sie, dass der wirklich ganz grosse Skandal im Hoeness-Prozess noch gar nicht bekannt ist! Das Gericht wurde nämlich massiv bestochen. Eine der Parteien hatte in unverblümter Dreistigkeit versucht, die Richter mit Geld zu vereinnahmen. Und das Schlimmste an allem: Der Bestechungsversuch war erfolgreich. Die Richter haben das Geld angenommen.

Man stelle sich dies vor: Da stehen sich diese zwei Parteien gegenüber. Auf der einen Seite das staatliche Finanzamt mit seinem Anwalt, dem sogenannten Staats-Anwalt. Auf der anderen Seite Herr Hoeness mit seinem Anwalt, dem sogenannten Verteidiger. Jene Seite fordert von dieser Seite Millionenbeträge und Gefängnis, diese Seite hält dagegen. Die beiden kommen überein, sich dem Urteil eines neutralen Dritten zu unterziehen. Diesen glauben sie in der Institution des Landgerichts München zu finden. Und nun geht eine der Parteien hin und kauft sich das Gericht. Das kann ja wohl nicht sein!

Doch es ist so. Und warum bloss, so fragt man sich, blieb Empörung bislang aus? Nun – die bestechende Partei ging äusserst raffiniert vor. Nicht so plump, den Richtern im Korridor des Gerichtsgebäudes dicke Couverts zuzustecken. Vielmehr teilte sie dieBestechungsgelder in viele kleine, für sich allein jeweils unauffällige Teilbeträge auf und liess diese den Richtern jeweils auf ihr Privatkonto überweisen, raffiniert getarnt als sogenannte Saläre, ausgerichtet im Monatsrhythmus, an Weihnachten in doppelter Höhe. Und dies nicht erst unmittelbar vor diesem Prozess, sondern bereits seit Jahren. Ja man übertreibt nicht mit der Feststellung, das gesamte Gericht sei auf der Lohnliste einer der beiden Parteien gestanden und werde dies wohl auch in Zukunftweiterhin tun. Mit dem gesamten Gericht sind nicht nur die Richterinnen und Richter gemeint, sondern auch das ganze weitere Gerichtspersonal, die Gerichtsschreiber, die Gerichtsweibel, die Kanzleibeamten und nicht zuletzt die kräftigen Gerichtsvollzieher, die im Notfall auch schon mal ihre Muskeln oder Handschellen spielen lassen. Wahrlich ganze Arbeit hat die bestechende Partei – der Staat mit seinem Finanzamt nämlich – geleistet.

Aber nochmals: Warum keine Empörung über all dies? Nun – der Staat hat auch marketingmässig vorgesorgt. Und auch dies nicht erst während dieses Prozesses, sondern bereits seit Jahr und Tag. Soweit man sich zurückerinnert, betreibt er eine bemerkenswert intensive und überauskostspielige Kampagne, mit der er von seinen Gerichtsbestechungen ablenkt. Was er dem Publikum dabei auftischt, ist zwar unglaublicher Unsinn, doch geglaubt wird er. Da wird beispielsweise als grosse Errungenschaft des sogenannten Rechtsstaats gepriesen, dass sich die Bürger gegen Ansprüche des Staates wehren und sich an ein unabhängiges Gericht wenden können. Dass es aber der gleiche Staat ist, der dieses Gericht stellt, sei überhaupt kein Widerspruch zum Prinzip der Unabhängigkeit. Zwar treffe es zu, dass der Staat seine Richter voll bezahlt, nicht selten mit einem lukrativen Fulltimejob. Doch ändere dies rein gar nichts daran, dass diese Richter gegenüber dem Staat völlig unbefangen seien.

So wie sie auch gegenüber Uli Hoeness völlig unbefangen wären, wenn sie seit Jahren auf der Lohnliste des FC Bayern München stünden.