Basler Zeitung

Freitag der dreizehnte

Heute ist wieder einmal Freitag, der dreizehnte. Der Volksaberglaube hält diese Kombination der Unglückszahl 13 mit dem Unglückstag Freitag für gefährlich. Das ergibt einen Super-Unglückstag, an dem einem besonders schlimmes passieren kann. Die Unfallstatistik bestätigt dies zwar nicht. Und ich selbst – um das vorwegzunehmen – halte Freitag, den dreizehnten, wenn schon, dann eher für einen Glückstag.

Doch zunächst zur angeblichen Unglückszahl 13. Was ist denn so schlimm an ihr? Nun, sie ist eine sogenannte Primzahl, das heisst eine Zahl, die sich nicht durch andere Zahlen teilen lässt. Sie steht gleichsam ausserhalb von regelmässigen Zahlenreihen oder zusammenhängenden Zahlenordnungen. Ein zahlenmässiger Outlaw sozusagen, der den regelgeleiteten und angepassten Zahlenkollegen von aussen zuschaut und sich so seine Gedanken macht über deren Drang nach Einordnung, Einreihung und Unterwerfung. Kein Wunder, sind Primzahlen aus der Sicht der Unterwürfigen immer irgendwie verdächtig und eignen sich deshalb besonders gut, um als Unglücksbringer verschrien zu werden.

Nun ist 13 aber längst nicht die einzige Primzahl. Ziemlich viele soll es geben davon, auch wenn es von den anderen, den regelgeleiteten, eingeordneten und angepassten noch viel mehr (offenbar sind Nichtangepasste auch hier eine Minderheit). Dass im Volksglauben gerade die Primzahl 13 so prominent ist, liegt wahrscheinlich daran, dass sie unmittelbar nach dem sehr ordentlichen und durchstrukturierten 12er-Block kommt. Nach diesem runden und vielfach verstrebten Duzend, aus dem man so schön 2 Sechser-, 3 Vierer-, 4 Dreier- und 6 Zweierblöcke bilden kann. Und ist nicht schon im Buch aller Bücher nachzulesen, dass es zwölf Apostel waren, die sich um Jesus scharten? Und war es nicht der Schurke Judas, der dann als dreizehnter dazu stiess und prompt zum Verräter wurde?

Und apropos Verräter Judas: Genau wegen ihm starb Jesus am Kreuz, und dies an keinem anderen Wochentag als just an einem Freitag. An einem Freitag war es, dass die Menschen ihren Gott getötet haben. Zwar erstand dieser schon kurz darauf wieder zum Leben, doch am Freitag selbst, da war er tot. Da gab es einen Tag lang keinen Gott und damit keinen Fixpunkt, an dem sich seine Anhänger festhalten konnten. Wenn das für sie kein Unglückstag war! Und so ist er es auch heute noch für diejenigen, die sich gern an einen Fixpunkt klammern, sei es noch immer an einen Gott, sei es aber auch an einen König, einen Papst, einen Staat, einen Sektenguru oder eine Domina im Folterkeller. Sie alle haben ihr Problem mit dem Freitag, der sie daran erinnert, dass ihr Fixpunkt so fix vielleicht gar nicht ist.

Für diejenigen aber, denen Primzahlen als eigenständige Individuen sympathisch sind, und die vielleicht gerade deshalb ohne monopolistischen Fixpunkt auskommen, ist Freitag, der dreizehnte, ein Glückstag. Den Sechser im Lotto erwarten sie zwar nicht. Aber der Tag erinnert sie daran, dass sie selbst jemand sind. Wenn das nicht Glück ist!