Basler Zeitung

Eine ganz gewöhnliche Firma

Sicher haben Sie in den letzten Tagen gehört von dieser grossen amerikanischen Firma, die zurzeit gerade negative Finanzschlagzeilen macht. Obwohl sie schon massiv überschuldet ist und jährlich gewaltige Verluste schreibt, will der Verwaltungsrat die Schulden von immerhin 16 Billionen $ um mindestens eine weitere Billion $ anheben. Die Delegiertenversammlung der Aktionäre hält dem entgegen, es müsse zuerst ein realistischer Sanierungsplan vorgelegt werden. Dem wiederum entgegnet der Verwaltungsrats-Präsident trotzig, er wolle zuerst und bedingungslos eine weitere Billion und erst dann sei er bereit, über eine Sanierung zu verhandeln – und all dies vor laufenden Kameras unter Anteilnahme einer breiten Öffentlichkeit bis weit über die USA hinaus.

Doch warum ein solch riesiges, geradezu globales Interesse? Es haben doch auch schon andere Firmen Schwierigkeiten gehabt, und es sind auch schon sehr grosse Firmen Konkurs gegangen. Das ist zwar jeweils schmerzhaft, aber wirtschaftlich folgerichtig und moralisch auch durchaus gerechtfertigt: Auf Kosten anderer zu leben, kann und darf sich nicht lohnen.

Es geht eben um eine sehr spezielle Firma. Oder genauer: Sie gab immer vor, eine spezielle Firma zu sein, die irgendwie über allen anderen Firmen schwebt. Und eben dies hat sich nun als unzutreffend herausgestellt. Es hat sich gezeigt, dass sie den ökonomischen Naturgesetzen letztendlich genau gleich untersteht wie alle gewöhnlichen Firmen auch. Während Jahrzehnten hat sie sich um bewährte Rechnungslegungsvorschriften foutiert, ihre Überschuldung ungehemmt anschwellen lassen und nicht im Traum daran gedacht, die Finanzen ins Lot zu bringen, geschweige denn ihre Bilanz zu deponieren.

Dass dies alles erst so spät aufgeflogen ist, hat verschiedene Gründe: Zuvorderst ein hervorragendes Marketing, mit dem die Firma den Leuten mit spektakulären Politshows vorgegaukelt hat, sie sei nicht einfach ein breit diversifizierter Dienstleistungskonzern für Ausbildung, Konfliktlösung, Sicherheit, Vorsorge, Infrastruktur etc., sondern so etwas wie eine Verkörperung des ganzen Landes. Damit verbunden war auch eine gewisse Forschheit im Marktauftritt, indem sie beispielsweise für ihre Sicherheitsabteilung FBI ein veritables Monopol beanspruchte. Schliesslich wurde auch vor brutaler Gewalt nicht zurückgeschreckt, und dies im In- wie im Ausland. Das ist alles nicht nur illegitim, sondern auch extrem kostspielig. Dass die Firma dieses Problem zunächst mit einem regelrechten weltweiten Steuerterror zu beheben versuchte und dies auch heute noch tut, passt zu ihrem Gehabe. Doch scheint dies alles nun am Ende zu sein. Spät zwar, aber besser als nie.

Und sollte nun trotz allem die Delegiertenversammlung der Aktionäre dem Drängen des Präsidenten nachgeben, vielleicht bis zum Erscheinen dieser Kolumne schon nachgegeben haben, so wird wenigsten keiner so dumm sein, von den ausgegebenen Schuldscheinen welche zu zeichnen. Denn der Konkurs wird kommen, wenn nicht jetzt, dann etwas später. Das ist so sicher wie das „Help me God“ am Schluss des Amtseids des amerikanischen Präsidenten.