Basler Zeitung

Einspruch gegen Glaubenszweifel

Meine Kolumnen scheinen eine Aufmerksamkeit-zu erreichen, das ich mir nie träumen liess. Nicht bloss hin und wieder empörte oder zustimmende Leserbriefe, e-Mails und Facebook-Kommentare. Nicht nur – wie vor einigen Wochen – eine entsetzte Breitseite des Kolumnisten-Kollegen Roland Stark, der es respektlos fand, dass ich darauf hinwies, dass die ganz grossen Kriege noch immer von Staaten geführt wurden. Sondern neustens nun gar eine offizielle redaktionelle Schelte, ein vor Erregung bebender „Einspruch“ des BAZ-Journalisten Daniel Szpilman gegen meine letzte Kolumne, die ganz offensichtlich unzulässig gewesen sei.

Dabei hatte ich bloss die US mit dem IS verglichen (BAZ vom 10.10.14). Das wird man ja wohl noch dürfen. Ausser eben, es sei verboten, dies zu dürfen. Das ist dann jeweils ein Zeichen dafür, dass absolute Glaubenswahrheiten verletzen werden. Und genau dies scheint das Problem von Daniel Szpilman zu sein. Er glaubt derart glühend an die guten USA und ihre Demokratie, dass er Leuten mit anderen Ansichten nicht einfach widerspricht, sondern sie persönlich anpflaumt, sie falsch zitiert und markig unter die Gürtellinie zielt. Ich halte es da lieber mit dem inhaltlichen Argument, auch auf die Gefahr hin, vielleicht noch weitere Glaubenswahrheiten des westlichen Staatskatechismus zu verletzen.

Deshalb nochmals zu den USA, die gemäss Szpilman zwar „Ecken und Kanten“ haben, aber anderseits doch immerhin die „Wiege von Hightech und Fortschritt“ seien. – Der klassische etatistische Fehlschluss, wonach der Staat das gleiche sei wie Land und Leute. Ist er aber nicht. Er ist bloss eine Firma, die sich mit raffiniertem Marketing als Verkörperung des ganzen Volkes aufspielt, populistische aber ruinöse Sozialprogramme inszeniert, nicht den Hauch einer demokratischen Legitimation besitzt (ein Nachzählen der Wahl- und Abstimmungsergebnisse lohnt sich), die Leute und vor allem die Unternehmen mit Steuern und bürokratischen Schikanen behindert – um dann den Erfolg der Wirtschaft sich selbst zuzuschreiben. Nein, Hightech und Fortschritt sind überhaupt nicht das Verdienst der USA, sie sind das Verdienst der Amerikaner. 

Und was ich mit dem IS verglichen habe, sind beileibe nicht die Amerikaner, sondern ist das arrogante Gewaltkonglomerat namens USA. Jene Organisation, welche die Hälfte des weltweiten Militäraufkommens bestreitet und es auch ständig ernstfallmässig einsetzt. Und die mit einer Rücksichtslosigkeit sondergleichen durch alle Landesgrenzen hindurch Steuersubstrat für seine Rüstungs-Milliarden zusammenrafft (einige Schweizer Banken sollen dieser Tage ruppige Post aus Washington bekommen haben). Und eher selektiv scheint der historische Exkurs von Daniel Szpilman zum Verdienst der USA beim alliierten Kampf gegen Nazideutschland. Da hätte er auch noch die beiden Atombomben von Hiroshima und Nagasaki erwähnen dürfen und vielleicht auch noch die anderen fernöstlichen Feldzüge der Nachkriegszeit.

Das gefährlichste an solchen Machtballungen ist vielleicht nicht einmal ihr militärisches Gewaltpotenzial. Fast noch unheimlicher ist ihr Effekt, in ihrem Wirkungs- und Drohbereich willfährige Anschlussfreudigkeit und gedankenlose Unterwürfigkeit auszulösen. Dies zeigt im Kleinen der Erfolg des IS in den eroberten Gebieten. Und im Grossen die Akzeptanz der US in der westlichen Welt.